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Benedikt XVI.: Glaubwürdiger Zeuge des Evangeliums

Ein Interview mit Herrn Dr. Dr. Joachim Seeger*, Recklinghausen

Dr. Dr. Joachim Seeger

Vor dem Hintergrund des kürzlich stattgefundenen Besuchs von Papst Benedikt XVI. in der Türkei und seinem Treffen mit dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., führte die Landesredaktion Nordrhein-Westfalen der Online-Redaktion „Triff-den-Papst“ zu Thematik, Anliegen sowie kirchlicher und politischer Bedeutung des Papstbesuches ein Interview mit dem in Recklinghausen lebenden Katholischen Theologen und Historiker Dr. Dr. Joachim Seeger.

Herr Dr. Seeger, was ist nach ihrer Ansicht das wichtigste Ergebnis des Papstbesuches in der Türkei?

Mit seinem Besuch hat Benedikt XVI. die zuvor lautstarken Proteste von fundamental-islamistischen Kräften gegen seine Visite in der Türkei beschwichtigt und sogar zum Schweigen gebracht. Türkische Medien, die sich in der Rolle von sich gegenseitig wortreich überbietenden Papstkritikern zu angeblichen Sprechern der türkischen Nation gemacht hatten, wechselten noch während des Papstbesuches die Fronten. Das heißt: Sie zeigten sich – mutatis mutandis – überrascht von der Eloquenz unseres Papstes und seiner Überzeugungskraft, seinem göttlichen Auftrag gemäß, Brücken zu bauen, wo Brücken zu bauen sind. Viele zuvor negative Stimmen bewunderten Benedikt den XVI. jetzt und sprachen von einem historischen Ereignis von höchster politischer und religiöser Bedeutung.

Wie, glauben Sie, hat der Papst diesen eklatanten und wohl auch einmaligen Meinungsumschwung im Verhältnis zwischen unserer Kirche und dem Islam geschafft?

Er ist, auch in der Türkei, als der authentische Benedikt aufgetreten; er hat als glaubwürdiger Zeuge des Evangeliums und der Verständigung auch seine heftigsten Kritiker überzeugt. Benedikts Aufforderung zum Dialog zwischen den Religionen ist verstanden worden, weil er seine Aufforderung klar und deutlich mit den eigenen Positionen verknüpft und sichtbar gemacht hat, dass er seinen Weg, bei aller Bereitschaft zur Verständigung, mutig und konsequent weiter gehen wird.

Was hat der Papst bei seinem Besuch weiter bewirkt?

Der Türkeibesuch Benedikt XVI. war geprägt von zwei wichtigen Komponenten; der politischen Komponente als Staatsoberhaupt des Vatikans und, wichtiger noch, der pastoralen Komponente, deren Schwergewicht besonders deutlich erkennbar wurde. Er hat den Christen in der islamischen Welt den Rücken gestärkt und mit seinem Treffen mit Bartholomaios I. einen wichtigen Zwischenschritt in Richtung auf die orthodoxe Kirche Russlands hin, auf Moskau also, unternommen.

Wie beurteilen Sie die Möglichkeiten, nach mehr als 1 000 Jahren Trennung, seit dem Schisma von 1054, eine neue Gemeinsamkeit zwischen unserer katholischen Kirche und der Orthodoxie zu gestalten, ohne dass beide Seiten weitgehend auf wichtige Postulate und kanonische Rechte verzichten müssen?

Es gibt längst große Gemeinsamkeiten zwischen Katholizismus und Orthodoxie. Diese werden zum Beispiel deutlich im Amtsverständnis von Diakonat, Presbyteriat und Episkopat. Aber auch in der Liturgie gibt es viele Gemeinsamkeiten.

Einen wichtigen Schritt hin zur Gemeinsamkeit hat Papst Benedikt XVI. u. a. auch dadurch vollzogen, dass er, mit Rücksicht auf das Ehrenprimat des Patriarchen von Konstantinopel als höchste Instanz aller orthodoxen Kirchen, auf den ihm zustehenden Titel „Patriarch des Abendlandes“ verzichtete. Ich bin der Auffassung, dass wir unter dem Pontifikat Benedikts XVI. neue Bewegung und weitere Schritte in Richtung auf die Orthodoxie erwarten können. Auch die laufenden Gespräche zwischen der katholischen und evangelischen Kirche dürften, ungeachtet mancher Schwierigkeiten, in absehbarer Zeit zu einer weiteren Annäherung führen, was zudem sehr wünschenswert wäre.

Wie sehen Sie das allgemeine Verhältnis zwischen Papst Benedikt und der Orthodoxie?

Ich bin überzeugt davon, dass der Papst nicht nur die konservative Liturgie der Orthodoxen, sondern vor allem die tiefe Volksfrömmigkeit der Menschen in Osteuropa sehr schätzt. Schließlich hat er auch seiner Achtung vor der Leistung und dem Behauptungswillen der orthodoxen Kirchen in der Zeit des Kommunismus deutlich Ausdruck verliehen. Nicht zuletzt aber weiß er um die enge Verzahnung von Glaube und Kultur im Bereich der orthodoxen Kirchen, die wir, wie ich meine, leider im Westen häufig vermissen müssen.

Herr Dr. Seeger, wir danken für dieses Gespräch.

Interview:
Adolf Hoch Josef Werner
Landesredaktion Nordrhein-Westfalen

*) Dr. Dr. Joachim Seeger (47), geboren in Recklinghausen; dort aufgewachsen im Stadtteil Hillerheide, studierte Geschichte ,Katholische Theologie, Germanistik, Philosophie, Sozialwissenschaften, Pädagogik, Praktische Philosophie und Psychologie. Er ist heute Studienrat an der Gesamtschule im westfälischen Herten. In Geschichte promovierte er mit einer biographischen Arbeit über Therese von Konnersreuth; in seiner theologischen Dissertation beschäftige er sich mit Leben und Wirken des Dominikanerpaters Gordian Landwehr aus Leipzig. Am Ostermontag 2006 wurde er von der ukrainisch-orthodoxen Kirche für sein Engagement für die ukrainisch-orthodoxe Kirche mit dem „Orden des hl. Michael“ ausgezeichnet. Es handelt sich dabei um eine patriarchalische Auszeichnung, bei der es keine Stufungen gibt.